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Wie vergisst man eine lange Freundschaft?

6. Mai um 23:36

Hallo alle zusammen!
Wie oben schon geschrieben, geht es hier über eine Freundschaft.
Und hier beginnt auch schon meine Story-Time 
(wird wahrscheinlich etwas länger, also mach´s dir gemütlich und hol dir einen Tee).

Nun im generellen geht es hier um eine Freundschaft, die länger als die Hälfte meines Lebens gedauert hat. Gut, das ist ja auch nicht schwer, ich bin ja erst 21 Jahre jung
Aber trotzdem sind 12 Jahre eine lange Zeit.
Wir haben so ziemlich allen Blödsinn, den man als junger Mensch machen kann, zusammen erlebt.
Wir hingen immer viel beieinander und egal welche Probleme es gab, sie wurden immer zwischen uns diskutiert und man fand in der anderen Person Trost.

Doch dann kam die komplette Umstellung: das Ende der Schulzeit.
Sie fing eine Ausbildung in einer Stadt an und ich zog zurück zu meinem Vater (in ein Miniaturdorf ohne öffentliche Verkehrsmittel), weil dies näher an meiner neuen Arbeit/Ausbildung lag.
Sie hatte eine schwere Zeit sich in der Stadt einzugewöhnen, weg von ihren Eltern und scheinbar fiel es ihr auch schwer, weg von mir zu sein.
Anfangs brachte ich sie gemeinsam mit ihren Eltern nach jedem Wochenende auf ihr Bitten hin, in ihre neue Wohnung. 

Wir standen weiterhin viel in Kontakt.
Aber für die heutige Welt wohl eher unüblich: über Briefe und über das Festnetztelefon.

Nach einem Jahr hatte sie dort dann auch gut Fuß gefasst und kam weniger nach Hause.
Bei mir ging es jedoch immer mehr bergab, denn war ich damals nicht allein zu meinem Vater gezogen, sondern meine Mutter war aus finanziellen und moralisch-religiösen Gründen auch mitgekommen.
Daraus resultierten tägliche Streits zwischen allen Bewohnern.
Ich war die Jahre davor schon ziemlich depressiv gewesen. 
(Das äußerte sich darin, dass ich für 2 Jahre mein Zimmer nur für den täglichen Weg zur Schule verlassen hatte usw.).
Aber der Stress durch die neue Umgebung und die extremen Anforderungenen meiner neuen Ausbildung, die auch leider mit meiner Persönlichkeit (die Definition von Introvertiert) keineswegs übereinstimmte, verschlimmerte diesen Zustand nur noch mehr.
Und obendrauf kam noch, dass mein Vater wie früher wieder öfter aggressiv und letztendlich auch handgreiflich wurde.

Nur hatte ich jetzt nur noch unseren Hund mit dem ich Schutz suchend nach draußen flüchtete.
Keine Freundin, die in der Nähe wohnte und zuhörte, wenn wieder ein besonders schlimmer Tag war.

Im 2. Ausbildungsjahr entfernte sie sich dann immer mehr von mir. Wenn ich sie fragte, ob sie Zeit habe, sagte sie mir ständig dass die Ausbildung sie so sehr vereinnahme, dass sie nicht einmal Zeit für die Menschen in ihrem direkten Umfeld habe.
Wenn sie dann doch einmal mit mir etwas machte, erzählte sie dauerhaft von den vielen Erlebnissen mit ihren Freunden.
Und wie konnte es anders kommen? Ich wurde eifersüchtig. 

Die Treffen wurden immer seltener und irgendwann sahen wir uns nur noch alle 3-4 Monate.
Meine Ausbildung (mit dem ganzen Wissen über Psychologie, Streitschlichtung und Zwischenmenschliche Beziehung) war mir dann wohl auch ein wenig zu Kopf gestiegen und ich hielt es für das Beste sie zur Rede zu stellen.
Doch das Gespräch gipfelte darin, dass mein eingebildetes Ich darauf plädierte sie anstatt die nächsten paar Wochen in den Ferien etwas zu machen, lieber erst einmal für einen Monat gar nicht mehr sehen zu wollen.

Sie hatte bei unserem nächsten Gespräch recht: Ja irgendwie wollte ich sie testen, ob sie mich nicht doch anrufen würde. Aber sie meldete sich nicht.
Und mir ging es weiterhin schlecht, ich wusste keinen Ausweg und wollte doch nur irgendwen der mir erklärte was eigentlich so falsch an mir war. Da sie mich besser kannte als jeder andere, dachte ich das könnte nur sie sein.

Im Endeffekt meldete ich mich dann wieder bei ihr.
Ich hatte das Gefühl, dass unsere kaputte Freundschaft für meinen Zustand verantwortlich sei. Also setzten wir uns einen Nachmittag zusammen in den Wald (wie es eben so unsere Art war) und ich platzte damit heraus, dass ich fand es könne so nicht weitergehen.
Ich wollte die Freundschaft beenden, aber vorher wollte ich wissen, warum sie mich so sehr mied.

Sie meinte, dass sich unsere Freundschaft für sie mehr wie eine Beziehung anfühlte und sie sich von mir psychisch unter Druck gesetzt gefühlt hatte, sich zu treffen.
Und auch wenn ich wusste, dass ihre Anschuldigungen nicht zu 100% stimmten, nahm sie mein depressiver Geist auf, um mich damit die folgende Zeit zu quälen.

Nun man denkt jetzt, wir hätten uns nach dem Gespräch getrennt und nie wieder etwas voneinander gehört. Aber nein...Ich wollte danach tatsächlich nach Hause gehen. Aber sie fragte mich, ob ich nicht noch etwas machen wollte, der Tag war ja noch jung.
Ohne nachzudenken anwortete ich "wieso nicht?", obwohl ich nicht ganz verstand, wie das jetzt mit den Anschuldigungen von eben zusammen passte.

Wir verbrachten den ganzen restlichen Tag bei mir zu Hause, lachten viel und sie ging sogar später als sonst nach Hause. Alles war wie früher. Das Streitgespräch vergessen.
Und danach meldete sie sich nie wieder.

Ein Jahr später - mein Kopf ließ mich immer noch nicht mit ihren Worten in Ruhe- ging ich mit unserem Hund zur Verstärkung runter zu ihr. Ich wollte mich entschuldigen und damit endlich abschließen und meinen Kopf verstummen lassen. 
Das Gespräch war zurückhaltend, aber man merkte ganz deutlich, dass wir uns gut kannten.

Zu diesem Zeitpunkt war ich wegen der Depression schon in Behandlung.
Mein Arzt verschrieb mir bald auch ein Antidepressiva, welches wunderbar anschlug ich es aber mindestens ein Jahr nehmen muss.

Alles hatte sich irgendwie verbessert. Ich war von zu Hause ausgezogen, hatte dann bald danach die Ausbildung gewechselt in welcher ich viele gute Freunde gefunden habe.
Mir geht es rundum gut. Ich genieße das Leben. Hole Dinge nach, die ich als Jugendliche nicht getan habe, weil ich lieber im Zimmer blieb.Und mein Terminkalender ist dauerhaft mit schönen Ereignissen voll.

Heute habe ich einen alten Karton geöffnet und unsere Briefe gefunden.
Melancholisch geworden habe ich sie durchgelesen.
Ich vermisse sie nicht, nur irgendwie die Idee unserer Freundschaft.
Diese starke Verbindung.

Was kann man da nur tun?

Ich würde mich über ein paar Antworten freuen.
Liebe Grüße ​die kleine Grinsekatze

(Jeden Fehler den ihr findet dürft ihr behalten. Ein Geschenk von mir )

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7. Mai um 12:15

Vergiss es! Werde umgehend dement. Auch Alzheimer kann in deinem Fall ebenso hilfreich sein.

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20. Mai um 12:19

Erinnerungen an eine so schöne Freundschaft tun weh und machen melancholisch, aber nur weil man sich an das schöne erinnert und dieses vermisst. Wäre es nicht schade wenn du die vielen schönen Momente mit ihr vergessen würdest? Ist ein bisschen Herzschmerz ein zu hoher Preis dafür? Solche Freundschaften vergisst man nicht. Es wird immer wieder Momente geben in denen du sie vermissen wirst. Sei froh dass du damals eine so gute Freundin hattest, das Glück hat nicht jeder. Sie wird eure Freundschaft garantiert auch immer wieder vermissen und auch sie wird sich immer mit Wehmut an dich erinnern.
Liebe Grüße

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